Aktuell

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Über Paul Boldt, den jahrzehntelang fast ganz in Vergessenheit geratenen Dichter des deutschen Expressionismus, ist heute nur noch wenig in Erfahrung zu bringen – nicht einmal ein Foto existiert von ihm.

Gleichwohl beschäftigte er eine Reihe von namhaften Kulturschaffenden, darunter Peter Härtling, Peter Rühmkorf und Marcel Reich-Ranicki.

Seit 1999 nimmt das von Marc Pendzich herausgegebene Paul-Boldt-Online-Archiv die Aufgabe wahr, Paul Boldts Werk, Leben und Wirken zu bewahren und zu fördern.

Dankenswerterweise haben Daniel J. Webster und Eberhard Scheiffele sich seit vielen Jahren der Aufgabe verschrieben, englische bzw. französische Nachdichtungen von Paul Boldts Gedichten vorzunehmen. So vorhanden erscheinen diese jeweils unter den Originaltexten.

Seit 2009 ist das Gesamtwerk von Paul Boldt endlich wieder als Printausgabe erhältlich bei der Edition Razamba bei BOD. Dazu erschien eine Rezension in der FAZ . Für den zweiten Band „Auf der Terrasse des Café Josty“ wurde ich gebeten, Herausgeber zu sein und das Nachwort zu schreiben.

Seit 2010 sind mindestens sieben Bücher mit dem Werk von Paul Boldt veröffentlicht worden, einfach, weil keine Rechte mehr drauf liegen und, natürlich, weil dieses Archiv quasi die Druckfahnen liefert… Egal, es ist doch so: Je mehr Paul Boldt, desto besser!

2014 erschien in der FR ein umfangreicher Artikel mit einer Würdigung des vor nunmehr 100 Jahren erschienen Gedichtbandes “Junge Pferde! Junge Pferde!”

Im September 2018 haben wir die Website neugestaltet und dabei Faksimiles sowie insbesondere Abschriften der sechs erhaltenen Postkarten von Paul Boldt an Egmont Seyelen hinzugefügt (siehe Faksimile).


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Original Photo by Terry Spivey, USDA Forest Service, Bugwood.org,
used under Creative License 3.0
http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/us/

Welcome!

This archive is dedicated to Paul Boldt (1885-1921), an undeservedly forgotten poet of German Expressionism.

Boldt came out with only one slender volume in his lifetime, entitled Junge Pferde! Junge Pferde! (Young Horses! Young Horses!). Most of his poems were unavailable for almost 25 years. Currently, the complete works of Paul Boldt are finally re-published by Edition Razamba in two volumes, “Junge Pferde! Junge Pferde!” (2008) and “Auf der Terrasse des Café Josty” (2009).

 

Bienvenue!

Ces archives sont consacrées à la conservation de l’oeuvre de Paul Boldt (1885 – 1921), un poète expressioniste allemand, malheureusement presque oublié.
Dépuis 25 ans, quelques poèmes seulement sont encore publiés dans un certain nombre d’anthologies de l’expressionnisme littéraire allemand. Aujourd’hui, ses oeuvres complètes ont été publiées à nouveau par Edition Razamba sous les titres “Junge Pferde! Junge Pferde!” (Jeunes Chéveaux!, Jeunes Chéveaux!”, 2008) et “Auf der Terrasse des Café Josty” (“Sur la térrasse du Café Josty”, 2009).

Junge Pferde! Junge Pferde! – Gedichtband (1914) und weitere Werke

Paul Boldt hat 85 Gedichte und zwei Kurzgeschichten veröffentlicht:

1) Der Gedichtband Junge Pferde! Junge Pferde!  (1914)

(Original-Reihenfolge der Gedichte; Erstveröffentlichungsdatum;
1914 = Erstveröffentlichung in „Junge Pferde! Junge Pferde!“)


2) Alle weiteren Gedichte aus den Zeitschriften

„Die Aktion“ & „Die weißen Blätter“, sortiert nach Veröffentlichungsdatum:

1912

1913

1914

1915

Letzte Gedichte


3) Prosa

Von Paul Boldt sind lediglich zwei Prosa-Werke erschienen:

Kurzbiografie

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Paul Boldt wird am 31. Dezember 1885 in Christfelde (Westpreußen) als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Nach dem Abitur zieht es ihn fort zum Studium der Philologie nach München, Marburg und bald schon in die damalige Weltstadt Berlin. Dort scheint er zunehmend das Leben eines Bohémiens geführt zu haben – und mag des Öfteren im damals sehr bekannten und […] Titel-gebenden Künstler-Café Josty am Potsdamer Platz anzutreffen gewesen sein.
1912 bricht er das langjährige Studium ab und veröffentlicht statt dessen in rascher Folge eine Reihe von Gedichten in der linken Zeitschrift Aktion. Bereits nach kurzer Zeit erregt er mit dem Gedicht Junge Pferde Aufmerksamkeit und tritt bei Autorenlesungen z.B. an der Seite von Gottfried Benn auf. Und gerade mal 18 Monate nach dem ersten publizierten Gedicht erscheint ein eigenständiger Gedichtband, Junge Pferde! Junge Pferde!.
Doch dieser Band ist Höhe- und Wendepunkt zugleich. Ab dieser Zeit – die auch den Beginn des Weltkrieges markiert – lässt die Frequenz der Veröffentlichungen merklich nach, um 1918 ganz zu aufzuhören. 1915 wird Paul Boldt zur Artillerie eingezogen, aber bereits 1916 aufgrund eines „Nervenleidens“ wieder aus dem Kriegsdienst entlassen. Die für den Leser meist nur schwer zugänglichen, abgründigen Werke dieser Zeit – wie Die Sprecher – stehen in deutlichem Gegensatz zu früheren Werken wie beispielsweise dem aufblühenden Gedicht Liebesmorgen – und spiegeln seine damalige Seelenlage wider.
Im Herbst 1919 beginnt Paul Boldt in Freiburg im Breisgau ein Medizinstudium – und wohl auch ein neues Leben. 1921 wird er zunächst ohne Komplikationen an einem Leistenbruch operiert, verstirbt jedoch wenige Tage später am 16. März an einer Embolie.

Quelle:
Pendzich, Marc (Hg.) (2009): Paul Boldt – Auf der Terrasse des Café Josty. Gedichte 1912-1918. Edition Razamba bei BOD, S. 62-63.

Biographie

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Paul Boldt – eine Spurensuche.
von
Marc Pendzich

1) Quellenlage

Paul Boldt -Junge Pferde Junge Pferde – Schmutztitel der ersten Auflage 1914

Der expressionistische Dichter Paul Boldt (1885-1921) hat 85 Gedichte und zwei Kurzgeschichten veröffentlicht. Die Erstveröffentlichung erfolgte in der Regel in der Zeitschrift „Die Aktion“ bzw. in seinem einzigen, in zweifacher Auflage (1914 u. 1918) erschienen Gedichtband „Junge Pferde! Junge Pferde!“. 1979 erschien die ebenfalls mit „Junge Pferde! Junge Pferde!“ getitelte Gesamtausgabe seiner Werke im Walter-Verlag. Auch die zweite und letzte Auflage von 1982 ist längst vergriffen. In einigen Sammelbänden zum Thema „Lyrik des Expressionismus“ sind einzelne Gedichte von Paul Boldt zu finden.

2008 erschien in der Edition Razamba eine Wiederveröffentlichung des Gedichtbandes “Junge Pferde! Junge Pferde!” Damit ist rund die Hälfte des Oeuvres von Paul Boldt wieder gedruckt erhältlich.

    • Über Paul Boldts Lebensweg ist wenig bekannt. Die Angaben sind zudem teilweise widersprüchlich (vgl. Rühmkorf 153). Anhand der Aktenvermerke in den Immatrikulationsbüchern der Universitäten, der Notizen zu einigen Lazarett- und Krankenhausaufenthalten lassen sich die wesentlichen Lebensstationen von Paul Boldt nachvollziehen und dürfen als gesichert gelten (siehe tabellarischer Lebenslauf). Paul Boldts Sterbeurkunde ist erhalten. Drei Briefe von Herbert Nickel, dem damals noch lebenden Neffen und letzten Verwandten von Paul Boldt, an Wolfgang Minaty aus den 1970er Jahren geben über einige persönliche Details zu Paul Boldt Auskunft.
    • Mit einer systematischen Boldt-Forschung wurde erst Mitte der 1970er Jahre begonnen, sodass auch deshalb die Quellenlage desolat ist.
      Der Herausgeber der Gesamtausgabe, Wolfgang Minaty, merkt dazu an:
Paul Boldt Rohrpostkarte an Egmont Seyelen – Postkarten-Abschriften 3 17.5.1913 10.11.1913

„Außer seinen Gedichten blieb nicht viel: ein paar Postkarten, sonst nichts handschriftliches mehr, kein Nachlass, kein Photo, auch nicht das ominöse Köfferchen, mit dem Boldts Halbschwester, Jenny Horst, 1945 von Westpreußen nach Thüringen geflohen war. Darin mochten sich wohl die letzten und wichtigsten Habseligkeiten des Bruders befunden haben. Das Altersheim in Gehren, in dem Jenny Horst 1948 verstorben ist, hüllt sich in Schweigen. Paul Raabe, Sachverwalter der expressionistischen Grundlagenforschung, notierte 1961, dass Paul Boldt ‘eine der rätselhaften Figuren des deutschen Expressionismus‘ sei. Ich meine, er wird weiterhin ein Rätsel bleiben“ (1979, 228).

[Anmerkung: Der Germanist Paul Raabe hat eine Art Köchelverzeichnis des deutschsprachigen literarischen Expressionismus erstellt.]

  • Wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem Werk Paul Boldts auseinandersetzen, gibt es bislang nur vereinzelt (siehe ”Quellen”). In der Regel wird Paul Boldt bis heute in wissenschaftlichen Studien lediglich mit zwei, drei Sätzen bedacht. Ausnahme bildet der in Tokio ansässige Germanist Eberhard Scheiffele, der seit vielen Jahren eine intensive Boldt-Forschung betreibt und regelmäßig Aufsätze über Boldts Werk veröffentlicht.
    Im Jahre 2008 begab sich Scheiffele auf eine nochmalige mehrmonatige und deutschlandweite Recherche in diversen Archiven sowie in Nachlässen von Wegbegleitern Boldts. So fand er neu heraus, dass Boldt auch mit Else Laske-Schüler bekannt war. Insgesamt jedoch lautet das Fazit, dass heute, rund 90 Jahre nach Paul Boldts Tod, kaum mehr neue Fakten in Erfahrung zu bringen sind (vgl. Scheiffele 2009).

Angesichts dieser Quellenlage reduziert sich die Schilderung des Lebensweges von Paul Boldt auf eine Spurensuche.

(2) Eine biographische Spurensuche

Paul Boldt, geboren am 31. Dezember 1885 als Sohn eines Gutsbesitzers in Christfelde bei Kulen an der Weichsel, Kreis Schwetz, Westpreußen, wuchs in Peterswalde auf und machte 1906 in Schwetz sein Abitur (Angaben nach Nickel). Danach „reiste Boldt nach München ab, um dort sein Philologie-Studium aufzunehmen. Nach zwei Semestern ging er für einen Sommer nach Marburg a. d. Lahn, um dann in Berlin sein Studium fortzusetzen, aber nicht abzuschließen“ (Minaty 1979, 216 – 217). Sein Studium, dessen offizielles Berufsziel Gymnasiallehrer war (nach Nickel, zit. in Minaty 1976, 6), war breit gefächert. Neben Philologie-Vorlesungen hat er im Verlauf seines Studiums z.B. Veranstaltungen in Psychologie, Kunstgeschichte, Ethnologie, Astronomie und Parapsychologie besucht. Die Anzahl der Semesterstunden nahm im Verlauf seines Studiums allgemein und besonders bzgl. Philologie immer weiter ab.
Offensichtlich fand er statt dessen Anschluss an die Berliner Literaturszene oder hatte dort zumindest einen „Fuß in der Tür“. Der Abbruch des Studiums erfolgte im Sommer 1912 zeitgleich ersten Veröffentlichungen von Gedichten in der Zeitschrift „Die Aktion“. Diese von Fritz Pfemfert (1879 – 1954) herausgegebene Zeitschrift, die Paul Boldt bis 1918 ein kontinuierliches Forum bieten sollte, formulierte in der ersten Ausgabe von 1911 folgendes Selbstverständnis: „Die Aktion tritt, ohne sich auf den Boden einer bestimmten politischen Partei zu stellen, für die Idee der Grossen Deutschen Linken ein“ (1911, zit. in Minaty 226).
Umgehend erschrieb sich Boldt einen festen Platz bei der „Aktion“. Insbesondere mit dem Gedicht „Junge Pferde“, das im Oktober 1912 erschien, stieß auf einige Resonanz. Minaty schrieb dazu (vielleicht etwas optimistisch): „Boldt war in. Innerhalb kürzester Zeit war er ins Gespräch geraten. Man ging nicht mehr an ihm vorbei.”

“So gab ihm das 1911 gegründete literarische Cabaret ‘Gnu‘ unter Leitung von Kurt Hiller und Ernst Blaß am 28. Januar 1913 die Gelegenheit, seine Verse vorzutragen, wie dies daraufhin öfters geschah“ (Minaty 1976, 9). Boldt nahm zu dieser Zeit an mehreren Autorenabenden der „Aktion“ teil, auf welchen jeweils auch bekannte Lyriker wie Gottfried Benn und Alfred Wolfenstein auftraten.

Der heutigen Unbekanntheit zum Trotz hat Boldt als einer der de facto stetigsten Mitarbeiter der „Aktion“ in diesen Jahren zu gelten. In Berlin, der Hauptstadt des deutschen Expressionismus, war er mit seinen Auftritten auf Autorenabenden der „Aktion“, beim „Gnu“ sowie einem weiteren Cabaret namens „Die feindlichen Brüder“ kein unbeschriebenes Blatt mehr.

Wirklich dazugehört hatte er dennoch nie: „In den für die Entwicklung des Expressionismus so bedeutsamen Gruppen und Zirkeln, Freund- und Feindschaften war für Boldt kein Platz – oder er suchte dort keinen. Innerhalb der expressionistischen Bewegung hatte er keine Freunde, höchstens Bekannte. Und für die war Boldt vor allem der Schöpfer eines Gedichts, das die Aktion Ende 1912 veröffentlicht hatte, der Verfasser der Jungen Pferde“ (Faul 26, Hervorhebung Faul).

Paul Boldt Junge Pferde Junge Pferde Cover Zweite Auflage 1918

Auf jeden Fall gelang Paul Boldt das Kunststück, bereits 18 Monate nach erstmaliger Veröffentlichung eines Gedichtes seine erste eigenständige Publikation in Form des 44 Gedichte umfassenden Gedichtbandes „Junge Pferde! Junge Pferde!“ vorzulegen. Sie enthielt neben einem Teil der in „Die Aktion“ gedruckten Gedichte auch 17 Erstveröffentlichungen. Das Buch erschien Anfang 1914 im Kurt Wolff Verlag in Leipzig mit einer Auflage von ca. 2000 Exemplaren als 11. Band der insgesamt 86 Bände umfassenden Reihe Der Jüngste Tag, in der auch Kafka, Werfel, Benn und Trakl veröffentlicht haben.

Die Reaktionen auf „Junge Pferde! Junge Pferde!“ waren viel versprechend und doch markiert diese erste eigenständige Veröffentlichung bereits eine Wende im Schaffen Boldts. Ab diesem Zeitpunkt ließ die Frequenz der Veröffentlichungen merklich nach, um dann 1918 schließlich ganz aufzuhören: Während in der zweiten Jahreshälfte von 1912 einundzwanzig Gedichte, 1913 ganze 25 Gedichte (+ 17 Erstveröffentlichungen in „Junge Pferde! Junge Pferde!“ im Januar 1914) erschienen, waren 1914 und 1915 nur noch jeweils neun Veröffentlichungen, 1916 zwei und 1917 und 1918 jeweils ein Gedicht in „Die Aktion“ zu verzeichnen.

Das Café Josty am Potsdamer Platz wie der Maler Paul Hoeniger es 1890 sah – vgl. Paul Boldt „Auf der Terrasse des Café Josty“

Was er nach Abbruch seines Studiums konkret machte, ob er (feste) Beziehungen, Freunde oder einen Nebenverdienst hatte – all dies ist nicht bekannt. Gesichert ist, dass er, nachdem die Eltern ihm bereits während des Studiums die finanzielle Unterstützung entzogen hatten, von seiner Halbschwester Jenny Geld erhielt, die von dem Erbe ihres leiblichen Vaters gut leben konnte.

 

Anzahl und Inhalte der Gedichte deuten darauf hin, dass es Paul Boldt ab 1914/15 nicht besonders gut ging. Marcel Reich-Ranicki dazu:

„Was immer er schrieb, er war zum Bersten voll mit Empfindungen und Ängsten, mit Bildern und Gesichten. Dieser Überschwang der Gefühle war es wohl, an dem er schließlich zerbrach. Davon ist die Rede in Boldts Gedicht „In der Welt“ aus dem Jahre 1913. Welt? Gerade dieses Wort wird in dem Gedicht ausgespart. Das hat schon seinen guten, traurigen Grund: Hier spricht einer, dem die Welt abhanden gekommen ist und der an seiner Ohnmacht und Ratlosigkeit leidet. … Aber so schlecht ist es um diesen verlorenen Menschen noch nicht bestellt. Denn es gelingt ihm die denkbar knappste Formulierung zu finden: ‘Mein Ich ist fort‘“ (139-140).

In jedem Fall spitzte sich die persönliche Lage für Paul Boldt zu, als er in die Armee eingezogen wurde: Im November 1915 trat er als Kanonier in die preußische Armee ein. Bereits Anfang 1916 wurde er ins Lazarett eingewiesen, obwohl er „nicht im Felde gewesen“ (1976, 80) sei. Er sei „dauernd garnison- und arbeitsverwendungsunfähig“ gewesen. „Verwirrungszustand“, „Nervenleiden“ und „Akute Verstörtheit auf Grund neurasthenischer Psychopathie“ wurden ihm attestiert. Es gibt keine weiteren Eintragungen bzgl. Versetzungen, Frontverlegungen etc. über Paul Boldt, sodass anzunehmen ist, das die preußische Armee ihn bald darauf aus ihren Diensten entlassen hat.
Die versiegende Kreativität und die Art der späteren Gedichte deuten allerdings ebenfalls auf erhebliche Probleme hin. Zeilen wie „hirnher nach hirndort“ und „Ichbild, der Muskel, knittert als Zwangsjacke“ (beide Zitate: „Die Sprecher„, 1917) haben mit der der positiven Lebens- und Liebesbesessenheit der produktiven Zeit vor 1915 nichts mehr zu tun.

Auch ohne posthume medizinische Diagnosen erscheint nachvollziehbar, weshalb Boldt bald nach Eintritt in die Armee im Lazarett landete:

Paul Boldt, der nicht ergebnisorientiert studieren wollte oder konnte, der den Studienort häufig wechselte – dieser unruhige überschwänglich labile Geist, der

  • sich in seinen Gedichten von Anfang an auf emotionaler Achterbahnfahrt befand,
  • der anscheinend erhebliche Bindungsangst hatte (vgl. Gedichte),
  • auf jeden Fall wenige Freundschaften und Bindungen einging,
  • sich durch das öffentliche Bekenntnis des Umgangs mit Prostituierten bewusst gegen die wilhelminische Gesellschaft stellte,
  • grundsätzlich aber sehr sensibel gewesen sein muss,
  • seit 1912 als freier Schriftsteller bzw. Dichter arbeitete (und, da andere Tätigkeiten nicht bekannt sind, wahrscheinlich ansonsten in den Tag hineinlebte),

sollte Ende 1915 als gedrillter Soldat und Befehlsempfänger in einen Weltkrieg ziehen, dessen Anfangs-Euphorie zu dieser Zeit längst verpufft und der Ernst der persönlichen Lage den zukünftigen Soldaten schon deutlich bewusst war.

1918 wagte Paul Boldt einen Neuanfang, wandte sich von seiner Dichtertätigkeit ab und nahm mit erneuter finanzieller Unterstützung seiner Eltern ein Medizinstudium auf. 1920 verließ er Berlin, um in der badischen Provinz, im konservativen Freiburg im Breisgau, sein Studium fortzusetzen. Von dort schickte er nach Angaben Nickels bei mehreren Gelegenheiten eine Schwarzwaldtanne an seine Eltern in Westpreußen. In Freiburg bestand er „nach einer erforderlichen Wiederholung die ärztliche Vorprüfung“ (1976, 82). Zu einem weiteren beabsichtigten Studienortwechsel nach Königsberg in Ostpreußen kam es nicht mehr. Paul Boldt wurde am 7. März 1921 in die chirurgische Klinik in Freiburg im Breisgau eingeliefert, wo er am 16. März 1921 starb: „Er [ließ] sich nur mit örtlicher Betäubung an einem Leistenbruch operieren. Er selbst soll dabei interessiert zugesehen haben. Die Operation verlief komplikationslos. An dem Tage jedoch, an welchem er wieder aufstehen durfte, soll er an einem Blutgerinsel im Herz gestorben sein“ (Nickel in Minaty 1976, 82). „Die Klinik vermerkte dazu: ‘Schlaganfall‘, d. h. Embolie“ (1976, 82).

Sein Nachlass gilt seit 60 Jahren als verschollen. Geblieben sind lediglich sechs oder sieben handschriftlich verfasste Postkarten (abweichende Angaben) und das bereits gedruckte Werk. Sein Grab auf einem Freiburger Friedhof wurde 1974 eingeebnet (Minaty 1976, 83). Photos oder Portraitzeichnungen gibt es nicht. Äußerungen über Paul Boldt von Bekannten oder Freunden sind, da er keinen intensiven Zugang zur expressionistischen Szene fand und als Lyriker wahrscheinlich bereits 1915 in radikale Anonymität zurücksank, nur spärlich bekannt:

 

(3) Aussagen von Wegbegleitern und Literaten

Kurt Hiller meint über Paul Boldt:
„Er war lang und etwas plump, sah wie ein Pferd aus, stammte aus einem Nest in Westpreußen, war scheu und liebenswürdig, schuf nur Formvollendetes, übrigens rein sensuale Sachen, hatte kaum enge Freunde, aber bestimmt keinen Feind, eines Tages (wohl noch im Ersten Weltkrieg) verschwand er, man hörte nie von seinem Tode etwas, theoretisch möglich wäre, daß er noch lebt. Es ist nicht wahrscheinlich“ (Hiller in Minaty 1976, 3).

Herbert Nickel schreibt über Paul Boldt:
„Er war über 190 cm gross, blond, Brillenträger und von wuchtiger Gestalt mit grossflächigem Gesicht. Er legte Wert auf ein gepflegtes Äußeres“ (Nickel in Minaty 1976, 5).

Rudolf Leinert bemerkt über Boldts Gemütszustand, daß „Paul Boldt, der körperwuchtige Riese, bald unheilbarem Wahnsinn verfallen“ sei (Leinert in Minaty 1976, 80)

Bei Peter Härtling ist zu erfahren:
„Wahrscheinlich kam der junge Mann von einem westpreußischen Bauernhof in die Städte. … danach studierte er [Philologie] in München, Marburg, Berlin. Das geschah wohl nur nebenher.“ Und weiter, in einem eher poetischen Ton ist dort zu lesen: „Er mischte sich, unerkannt, ein; ein unbekümmerter Fremder, der Leben an sich riss und zum glühen brachte, der auf die Zeitmusik lauschte, dann aber seine eigene Melodie ausspielte.“ Härtling porträtiert Boldt als einen streunenden freien Vagabunden, der überall und nirgends zu finden ist, und projiziert Boldts frühes Gedicht „Junge Pferde“ (1912) auf Boldts Charakter. „Nur wenige Male läßt Boldt sich zähmen, so am 24. März 1914, als er gemeinsam mit Benn, Wolfenstein, Leo Matthias in Cassirers Salon auftritt und vorliest – wie er gewirkt hat, ob er verstörte oder entzückte, hat niemand weitergesagt“ (9).

Peter Härtling schreibt weiter über Boldts Werk:
„Natürlich schleppen seine Gedichte ihre Zeit mit, kommen sie nicht aus ohne schreiende Übertreibung, heftige Farben, kühn zugespitzte Metaphern.“ „Kein deutscher Poet dieses Jahrhunderts war Eros so verbunden. Rühmte er Landschaften, meinte er Frauen, besang er Frauen, beschrieb er Landschaften“ (9).

Wolfgang Minaty notiert im gleichen Zusammenhang:
„Boldt war kein genuin politischer Dichter. Er wirkte eher indirekt. Er brandmarkte die Tabuisierung der Sexualität und diskreditierte die Doppelmoral des wilhelminischen Bürgers, indem er offen den Gang zur Dirne bekannte und seine erotischen Empfindungen [per Gedicht] öffentlich nacherlebte. Dies war der Kampf gegen die verlogenen Moralanschauungen der Vätergeneration und insofern ein wichtiges Glied von Auseinandersetzungen mit der Gesellschaft überhaupt.“

4) Boldts Werke als biographische Quelle

Boldts Werk als biographische Informationsquelle zu verwenden liegt nahe, weil auf anderem Wege nur wenig über ihn zu erfahren ist. Der Vergleich der Lebensdaten mit dem Werk gestaltet sich im Falle Paul Boldt allerdings insofern besonders schwierig, als dass der Zeitraum, in dem die meisten Gedichte erschienen sind, sehr begrenzt ist – die meisten Gedichte wurden zwischen 1912 und 1914 veröffentlicht. Innerhalb dieser Hauptperiode Entwicklungen im Schaffen Paul Boldts oder seines psychischen Zustandes wahrnehmen zu wollen, ist wissenschaftlich nicht fundiert zu gestalten, weil Paul Boldts Werk grundsätzlich nur über den Erstdruck dokumentiert ist, die Entstehungsdaten der Gedichte also nicht bekannt sind. Viele Gedichte wurden zudem Anfang 1914 im Gedichtband „Junge Pferde! Junge Pferde!“ veröffentlicht.
Einen psychischen Absturz Boldts durch die Reihenfolge der Gedichte ablesen zu wollen, den Minaty prozesshaft auch innerhalb der frühen Gedichten bis Anfang 1914 zu erkennen vermeint, ist aus meiner Sicht daher nicht zu bestätigen.

Der Vergleich der frühen und späten, nach 1915 erschienenen Gedichte verdeutlicht die offensichtlich bestehenden psychischen Probleme Boldts. Abgesehen vom offenbar versiegenden kreativen Fluss erscheinen diese Gedichte in zunehmenden Maße unverständlich, in ihrer Wortwahl und Stil vollkommen anders gestaltet als die frühen Werke, hart und die Welt unangenehm ver-rückend („hirnher nach hirndort“, aus: „Die Sprecher“).

Auffällig viele Gedichte von Boldt sind im Rotlichtmilieu angesiedelt. Sie sind es, die ihm den Ruf als den erotischen Dichter des 20. Jahrhunderts eingebracht haben. Minaty bezeichnet Boldt als Besessenen, dem wahllos die vulgären Ausdrücke über die Lippen kommen. Tatsächlich hat Boldt nie ein Feigenblatt vor den Mund genommen. Der Gang zur Prostituierten scheint für ihn normal gewesen zu sein. Eine Entwicklung vom distanzierten Beobachter „zum rasendsten Liebhaber und Bordellbesucher, den das kaiserliche Berlin gekannt hatte“ (1979, 225), ist allerdings nicht zu belegen. (Nebenbei: Womit hätte er einen solchen Lebenswandel finanzieren sollen?)

In diesem Zusammenhang fallen die mehrfachen Äußerungen und Detailkenntnisse über die Syphilis auf. Diese Thematik wird tatsächlich erst in späteren Gedichten aufgegriffen und deuten an, dass jemand in seiner Umgebung oder Paul Boldt selbst infiziert gewesen sein könnte.

Das Material der „biographischen Spurensuche“ stützt sich vorwiegend auf Untersuchungen Wolfgang Minatys (1976, 1979).

Neubearbeitung der Daten durch Marc Pendzich (1999, Revision 2009).

 

5) Nachspiel. Zur Rezeption des Werkes von Paul Boldt und das IN DER WELT-Projekt

Die Expressionisten sind längst als Klassiker verbucht. Hoch thronen sie, die Olympier: Benn, Heym, Trakl, Werfel. Auch die Becher, Goll und Hasenclever sind schon zu Halbgöttern aufgerückt. Doch es drängelt sich immer noch eine erkleckliche Schar in den himmlischen Wartezimmern. Einer der Antichambristen heißt Paul Boldt. In den Literaturgeschichten ist er zur Fußnote geschrumpft“ (Minaty 1979, 215).

Warum ist Paul Boldt fast vergessen? Warum wurde er „nicht zu einer mythischen Figur …, … warum träumen bei uns nicht die jungen Dichter von ihm als einem vogelfreien Bruder ,… der sich in die Stadt verirrte und in sie vernarrte, einem, der selig lärmend kam und – Schätze und Scherben hinterlassend – spurlos verschwand“? (Härtling 5).

Schätze und Scherben? „[E]in Gutteil [ist] von minderer Qualität, wie für den Tag geschrieben…“ (215) urteilt nicht nur Minaty. Andererseits bestätigen beispielsweise Peter Rühmkorf, Wolfgang Minaty und vor allem Peter Härtling, dass es „Gründe genug [gibt], ihn zu den ,entscheidenden Prägefiguren‘ (Rühmkorf 1976) des deutschen Expressionismus zu zählen“ (ebd., vgl. Rühmkorf 16, Faul 34).

Und in der Tat, viele Menschen, die ich in den letzten Jahren z.B. mit den Gedichten aus „In der Welt” bekannt gemacht habe, sind äußerst angetan von der Energie und Schönheit der dort aufklingenden Bilder. Sie empfinden damit ebenso wie ich – die Kraft und Intensität von Paul Boldts Gedichten hat mich seinerzeit geradezu ans Klavier getrieben.

Allerdings versteht sich meine Auswahl der Boldt-Gedichte nicht als repräsentativer Auszug aus dem Gesamtwerk Paul Boldts. Verwendet habe ich – auch aus musikalischen Gründen – durchweg die verständlicheren, kürzeren, klar strukturierten Gedichte.
Ein Teil der Gedichte, speziell die der Kriegsjahre, ist auch für den mit expressionistischen Texten vertrauten Leser nur noch teilweise zu erfassen.

Wahrscheinlich kommt man hier den Ursachen einer fehlenden Boldt-Leserschaft näher. Betrachtet man die Auswahl Boldt‘scher Gedichte in Sammelwerken, so fällt auf, dass es meist seine Naturlyrik und die zwei, drei immer gleichen Ich-Dissoziationsgedichte sind, die abgedruckt werden. Viele der übrigen weiteren Gedichte sind extrem, entziehen sich dem Horizont der eigenen Erfahrung, sind Tagebuch eines Absturzes und der Bericht eines Menschen, dem wir nur teilweise folgen können.
Vielleicht würde die Lektüre dem Leser leichter fallen, wenn er sich ergänzend biographische Hintergründe erschließen könnte. Wolfgang Borchert etwa wird sicherlich auch aufgrund und auf der Folie seiner Biographie gelesen. Auch Boldts Lebensgeschichte, gerade auch sein früher Tod, der einem spurlosen Verschwinden gleichkommt, könnte zur Mythenbildung reizen.

Dem ist nicht so gewesen, und so neige ich dazu, die Gründe dafür im Werk selbst zu sehen: Es handelt sich um zum Teil recht extreme, nicht zur Identifikation geeignete Gedichte. Novellen, Erzählungen u.ä. sind quasi nicht vorhanden. Boldt bietet uns ein schmales reines Gedicht-Werk ohne erhellende biographische Hintergründe. Er war Teil des deutschen Expressionismus, der vom Zeitgeist des wilhelminischen Kaiserreichs getragen wurde und nach einem kurzfristigen Revival nach dem zweiten Weltkrieg endgültig zu Geschichte geworden ist.

Paul Boldt war und bleibt eine „Fußnote“ (Minaty 215) der Literaturgeschichte.

Und doch, es bleibt etwas. Ein Lebenswerk ist nur bedingt anhand der Zahl der (zugänglichen) Werke zu messen. Eine Reihe von Werken Paul Boldts, darunter die sechs „In der Welt“-Gedichte, sind von einer bizarren Schönheit und Anmut, voll tief empfundener Energie, die den Leser um einen Augenblick bereichert. Und das ist verwirklichte Idee, das ist Kunst. Möge „In der Welt“ dazu beitragen, dass die Kunst des Paul Boldt uns vermehrt gegenwärtig sein wird.

Literaturnachweis:

Faul, Eckhard (1993):  „Diese Leichtigkeit. Paul Boldts ‘Junge Pferde‘“.  ‘Wir wissen ja nicht was gilt‘: Interpretationen zur deutschsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts.  Hg. Reiner Marx u. Christoph Weiss.  St. Ingbert: Röhrig, S. 26-36.  [Interpretation des Gedichts „Junge Pferde“ und Einbeziehung biographischer Hintergründe]

Härtling, Peter (1979):  „Paul Boldt“.  in:  Junge Pferde, Junge Pferde.  Gesamtausgabe der Gedichte Paul Boldts.  Walter: Olten, 1979.  [Emphatische Einschätzung und poetische Betrachtung des Kentaurs Paul Boldt]

Minaty, Wolfgang (1976):  Paul Boldt und die ‘Jungen Pferde‘ des Expressionismus. Erotik, Gesellschaftskritik und Offenbarungseid.  Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik.  Bd. 23.  Stuttgart: Heinz.  [Grundlagenforschung, welche die meisten gesicherten Daten zu Paul Boldt vorlegt]

Minaty, Wolfgang (1979):  „Ein preußischer Proteus“.  [Essay]  in:  Junge Pferde, Junge Pferde.  Gesamtausgabe der Gedichte Paul Boldts.  Walter: Olten.

Reich-Ranicki, Marcel (1994):  „Ein Gesicht ist auf die Sterne gefallen“.  in:  Frankfurter Anthologie. Gedichte und Interpretation.  Bd. 17.  Hg. Reich-Ranicki.  S. 137-140.  [Pointiertes Essay über Paul Boldt anhand der Interpretation des Gedichts „In der Welt“]

Rühmkorf, Peter (Hg.) (1990):  131 expressionistische Gedichte.  Neuausgabe.  Wagenbach: Berlin.  [Einführung in den literarischen Expressionismus mit zwei kurzen Absätzen zu Paul Boldt]

Scheiffele, Eberhard (2009).  „3fach gesucht: ein Lyriker namens Paul Boldt”.  Waseda Blätter. Band 16. Tokyo.

Lebenslauf

[pdf]  [Kurzbiographie] [ausführliche Biographie]

31.12.1885
geboren in Christfelde, Kreis Schwetz / West-Preußen; Sohn von Heinrich Boldt (1850 – 1922) und Therese Boldt (ca. 1856 – 1930), verw. Horst, geb. Martens. Auf Gutshof aufgewachsen. Drei Söhne: Bruno (1917 in Frankreich gefallen), Paul und ein als Kind gestorbener Bruder; Halbschwester Jenny (1876 – 1948)

2.3.1906
Reifeprüfung im Gymnasium von Schwetz

25.4.1906 – 1.3.1907
Immatrikulation für zwei Semester an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Angestrebter Beruf: Gymnasial-Lehrer

1907
Umzug der Familie auf Gutshof in Peterswalde (Pietrzwald) bei Heinrode (Mleczewo) im Kreis Stuhm (Sztum)

11.5.1907 – 5.9.1907
Immatrikulation für ein Semester an der Philipps-Universität Marburg a. d. L.

24.10.1907 – 9.1.1913
Immatrikulation in Berlin an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität) für elf Semester, Studium der Germanistik, der Kunstgeschichte und der Geschichte, besuch von Fächern wie Philosophie, Klassische Philologie, Ethnologie, Soziologie, Astronomie, Parapsychologie; Zahl der Kurse nimmt im Verlauf des Studiums stetig ab. Letzte besuchte Veranstaltungen im SoSe 1912 fallen zeitlich mit der ersten VÖ eines Boldt-Gedichtes; ohne Examen exmatrikuliert.

1912
insgesamt 21 Gedichte erscheinen in diesem Jahr  in „Die Aktion“

28.1.1913
Erste Gedichtlesung im Berliner literarischen Cabaret „Gnu“ (Leitung: Kurt Hiller u. Ernst Blaß); nachfolgend auch Auftritte in Wolfensteins Cabaret „Die feindlichen Brüder“

1.3.1913
Auftritt beim 1. Autorenabend der „Aktion“ im Kunstsalon Paul Cassirer (Victoriastr. 35) zusammen mit Gottfried Benn, Alfred Lichtenstein, Richard Oehring, Erich Oesterheld, Franz Pfemfert, Hellmuth Wetzel und Alfred Wolfenstein.

17.5.1913
Auftritt beim 4. Autorenabend der Aktion im Vortrags-Saal „Austria“ (Potsdamer Str. 28) mit zusammen mit Rudolf Kayser, Alfred Wolfenstein, Rudolf Kurtz, Richard Oehring, Franz Pfemfert

1913
insgesamt 25 Gedichte erscheinen in diesem Jahr  in „Die Aktion“

Januar 1914
Veröffentlichung des Gedichtbandes „Junge Pferde! Junge Pferde!“ (44 Gedichte, davon 17 Erstveröffentlichungen)

7.3.1914
Auftritt beim 6. Autorenabend im Vortrags-Saal Austria mit Max Oppenheimer, Gottfried Benn, Carl Einstein, Richard Oering, Franz Pfemfert

1914
insgesamt 9 Gedichte erscheinen in diesem Jahr in „Die Aktion“

2.11.1915
Diensteintritt in die preußische Armee

1915
insgesamt 8 Gedichte erscheinen in diesem Jahr in „Die Aktion“

21.2. – 20.4.1916
Aufenthalt in Lazaretten, obwohl „er nicht im Felde gewesen“ ist.

21. / 22.2.1916
Eintrag ins Hauptkrankenbuch des Vereinslazaretts Berlin-Charlottenburg: „Verwirrungszustand“

24.2. – 20.4.1916
Eintrag im Hauptkrankenbuch des Garnisonslazaretts I  Berlin: „Akute Verstörtheit auf Grund neurasthenischer Psychopathie“

24.2. – 20.4.1916
– Aufnahmeschein des Garnisonslazaretts I Berlin,  Nervenstation:   „Zur   Beobachtung auf Nerven und Geisteskrankheiten – Krankheit: Nervenleiden“
– Entlassung aus der Armee? Fazit des Lazarettaufenthaltes:  „dauernd  garnison- und arbeitsverwendungsunfähig“

1916
insgesamt 2 Gedichte erscheinen in diesem Jahr  in „Die Aktion“

1917
– Boldts Bruder Bruno fällt in Frankreich
– insgesamt 2 Gedichte erscheinen in diesem Jahr  in „Die Aktion“

23.4.1918 – 13.8.1919
Immatrikulation in Berlin für Studiengang Medizin.

1918
– 2. Auflage des Gedichtbandes „Junge Pferde! Junge Pferde!“ erscheint.
– ein letztes Gedicht erscheint in diesem Jahr  in „Die Aktion“

25.9.1919
Immatrikulation in Freiburg  i. Br.

Winter 1920/21
Ärztliche Vorprüfung nach einer Wiederholung bestanden

1921 ?
erwägt Studienplatzwechsel nach Königsberg in Ostpreußen

7.3.1921
Einlieferung in die Chirurgische Klinik in Freiburg i. Br.
„Er [ließ] sich mit nur örtlicher Betäubung an einem Leistenbruch operieren. Er selbst soll dabei interessiert zugesehen haben. Die Operation verlief komplikationslos. An dem Tage jedoch, an welchem er wieder aufstehen durfte, soll er an einem Blutgerinsel im Herz gestorben sein.“ (Nickel 26.11.74)

16.3.1921
gestorben in Freiburg i. Br. an Embolie nach Leistenbruchoperation; überführt nach Westpreussen, beerdigt auf dem Friedhof von Stuhm

1922
Tod des Vaters Heinrich Boldt.
(Paul Boldts Mutter hatte alle ihre drei Söhne und nach dem Tod ihres ersten Ehemannes nun auch den zweiten verloren (Minaty 1976, 82))

März 1933
Nazis beschlagnahmen und vernichten große Teile des Pfemfert-Archivs, der Rest des Nachlasses ist auf einer Schiffs-Havarie 1955 verloren gegangen (Minaty 1976, 83)

1945
Der Koffer mit dem Nachlass Boldts geht bei der Flucht von Jenny Horst von Westpreußen nach Thüringen verloren.

1974
Einebnung des Friedhofs von Stuhm

 

Rechtsvorbehalt:
Alle Rechte an den hier veröffentlichten Biographien und Datenbanken, insbesondere das Recht der Vervielfältigung, Verbreitung und Veröffentlichung in jeder Form, einschließlich einer Verwertung in elektronischen Medien, der reprographischen Vervielfältigung, einer digitalen Verbreitung und der Aufnahme in Datenbanken, ausdrücklich vorbehalten und nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors.

(c) 2000 by Marc Pendzich (revised 2009)

 

Musik über Paul Boldt

Marc Pendzich

IN DER WELT
Musik über Gedichte von Paul Boldt
für eine Singstimme und Kammerorchester
(2000)

IN DER WELT …

ist ein Werk mit Vertonungen von sechs Gedichten von Paul Boldt

wurde durch die facettenreiche, teils erotische und überaus kraftvolle Sprache Boldts sowie durch sein „spurloses“ Leben inspiriert

ist ein musikalisches Portrait des Mythos “Paul Boldt”

ist rund zwanzig Minuten lang und benötigt ein Ensemble von zwölf Musikern und einer Sängerin (Theater-/Chanson-Fach)

eignet sich für Aufführungen im klassischen Konzertbetrieb und ist auch im Rahmen von szenischen Lesungen oder Performances aufführbar

Die verwendeten Gedichte:

siehe: pendzich.com

Quellen

Quellenverzeichnis [pdf]
(Stand: 1.9.2018)

Primärquellen

Boldt, Paul. Auf der Terasse des Café Josty. Gedichte und Prosa 1912-1918.   Hg. und mit einem Nachwort von Marc Pendzich.  Edition Razamba/BOD, 2009.

Boldt, Paul.  Der Wind schweigt weit.  Ausgewählte Gedichte. [Mit einem Nachwort von Peter Härtling und Fotografien von Annette Kühn.]  2. Auflage 2008.

Boldt, Paul. Junge Pferde! Junge Pferde!. Kurt Wolff Verlag, 1914.

Boldt, Paul. Junge Pferde! Junge Pferde!  Hg. und mit einem Nachwort von Martin Ebbertz.  Edition Razamba/BOD, 2008.

Boldt, Paul.  Von den Stummheiten sollen wir aufbrechen. Hg. von Bernhard Langer.  Fulda, 1994.

Minaty, Wolfgang (Hg.).  Junge Pferde, Junge Pferde. Gesamtausgabe der Gedichte Paul Boldts.  Olten: Walter, 1979 (1982).

Rühmkorf, Peter (Hg.). 131 expressionistische Gedichte.  Neuausgabe.  Wagenbach: Berlin, 1990.

Wulf, Kirsten (Hg.) (2000): “Beständig ist das leicht Verletzliche. Gedichte in deutscher Sprache von Nietzsche bis Celan”.  Zürich. S. 316-318. [enthalten sind die Gedichte “Nächte über Finnaldn”, “Junge Pferde” und “Friedrichstraßendirnen”]

außerdem, zeitlich nach der Razamba-Gesamtausgabe erschienen:

  • Boldt, Paul. Der Wind schweigt weit. Ausgewählte Gedichte. [mit einem Nachwort von Peter Härtling]. Luxbooks, 2008.
  • Boldt, Paul.  Gedichte und Prosa.  udv, 2012.
  • Boldt, Paul.  Junge Pferde! Junge Pferde!  HardPress, 2015. [Nur Kindle]
  • Boldt, Paul.  Junge Pferde! Junge Pferde!  Degener, 2010.
  • Boldt, Paul.  Junge Pferde! Junge Pferde! Hofenberg, 2016
  • Boldt, Paul. Junge Pferde. hansebooks, 2017
  • Boldt, Paul. Herbstpark. 50 zeitlose Gedichte. Melsbach, 2018.

Monographien, Aufsätze, Rezensionen

Ebbertz, Martin.  „Nachwort”.  in:  Boldt, Paul. Junge Pferde! Junge Pferde!  Hg. von Martin Ebbertz.  Edition Razamba/BOD, 2008.

Faul, Eckhard. „Diese Leichtigkeit. Paul Boldts ‘Junge Pferde‘”.  ‘Wir wissen ja nicht was gilt‘: Interpretationen zur deutschsprachigen Lyrik des 20. Jahrhunderts.  Hg. Reiner Marx u. Christoph Weiss.  St. Ingbert: Röhrig, 1993.  26-36.

Fröhlich, Jürgen.  Liebe im Expressionismus, Eine Untersuchung der Lyrik in den Zeitschriften Die Aktion und Der Sturm von 1910-1914.  New York: Lang, 1990.

Göbel, Wolfram. „Paul Boldt oder Die jungen Pferde des Expressionismus”.  Kleine Porträtgalerie des deutschen Expressionismus,  7. Bayrischer Rundfunk, Hörfunk: Bayern 2, 24. Febr. 1977.

Härtling, Peter.  „Paul Boldt: ,Junge Pferde! Junge Pferde!‘”.  Peter Härtling,   Vergessene Bücher: Hinweise und Beispiele.  Stuttgart, 1966.  S. 62 – 67.

Härtling, Peter.  „Paul Boldt“.  in:  Junge Pferde, Junge Pferde. Gesamtausgabe der Gedichte Paul Boldts.  Hg. von Wolfgang Minaty.  Walter: Olten, 1979.

Härtling, Peter.  „Paul Boldt“.  in: Zwischen Untergang und Aufbruch. Aufsätze, Reden, Gespräche.  Berlin: Aufbau-Verlag, 1990.  157-161.

Härtling, Peter.  „Nachwort”.  in:  Boldt, Paul.  Der Wind schweigt weit.  Ausgewählte Gedichte.   2. Auflage 2008.

Kersten, Hugo. [Rez.].  „Paul Boldt: Junge Pferde! Junge Pferde! (Leipzig 1914)”.  Die Aktion, 4 (1914), Sp. 443 – 444.

Kirsten, Wulf, und Rolf Recknagel.  „Im Mahlstrom der Großstadt zerissen: Paul Boldt und die ,Aktion‘, ein Beitrag zur Ergänzung der Literaturgeschichte”.  Die andere Zeitung, 9.  16. u. 23. Dez. 1965, S. 13, 13 u. 17.

Kühnel, Klaus. Friedrichstraßendirnen. Leben und Werk des expressionistischen Dichters Paul Boldt (1885-1921).  trafo, 2009

Langer, Bernhard.  [ungetiteltes Vorwort].  in: Von den Stummheiten sollen wir aufbrechen.  Hg. von Bernhard Langer. Fulda, 1994.

Minaty, Wolfgang.  Paul Boldt und die „Jungen Pferde“ des Expressionismus: Erotik, Gesellschaftskritik und Offenbarungseid.  Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik, 23.  Stuttgart: Heinz, 1976.

Naumova, Vera.  Expressionistische Metaphorik im Spiegel ihrer Forschung: Am Beispiel der Lyrik von Paul Boldt.  AV Akademikerverlag, 2012.

Niemeier, Dirk. Lyrik-Datenbank. 3 Interpretationen des Gedichts „Auf der Terrasse des Café Josty”.

n.n. [Rez.].  „Singendes Pferd”.  in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 196 vom 22.8.2008, S. 40.

Pendzich, Marc.  „Nachwort”.  in:  Boldt, Paul. Auf der Terasse des Café Josty.  Gedichte und Prosa 1912-1918.  Hg. von Marc Pendzich.  Edition Razamba/BOD, 2009.

Plagge, Hermann [Rez.].  „Paul Boldt: Junge Pferde! Junge Pferde! (Leipzig 1914)“.  Wiecker Bote, I (1913/14), H. 10, S. 16.

Reich-Ranicki, Marcel.  „Ein Gesicht ist auf die Sterne gefallen”.  in: Frankfurter Anthologie. Gedichte und Interpretation.  Bd. 17.  Hg. Reich-Ranicki. 1994, 137-140.

Riegel, Werner.  „Paul Boldt oder Die Unzuverlässigkeit des Ruhms”.  Werner Riegel, Gedichte und Prosa, Nachw. v. Peter Rühmkorf.  Wiesbaden, 1961. S. 7 – 11.

Scheiffele, Eberhard.  „Zum Bild der großen Stadt in den Gedichten von Paul Boldt”.  The Journal of the Faculty of the Humanities of Toyama University, 2 (1974), 1-13.

Scheiffele, Eberhard.  „Farbbezeichnungen in den Gedichten von Paul Boldt”.  Doitsu Bungaku (Tokyo, 1975), H. 54, S. 116 – 122.

Scheiffele, Eberhard.  „‘. . . knappe, statuarische, eisklare Sinnlichkeit .. : Zum bildhaften Ausdruck in den Gedichten Paul Boldts”.  Germanisch-Romanische Monatsschrift, N.F. 27 (1977), 76 – 87.

Scheiffele, Eberhard. „‘Ihr jugendlichen Sonnen! Fleischern Licht!’ Junge Frauen in Paul Boldts  Lyrik”.  In: Germanisch-Romanische Monatsschrift, NF 51 (2001),  419-429.

Scheiffele, Eberhard.  „3fach gesucht: ein Lyriker namens Paul Boldt”.  Waseda Blätter. Band 16. Tokyo, 2009.

Schindelbeck, Dirk.  „Nachgeholte Interpretationen. Der Sonettist Paul Boldt”. in:  Die Veränderung der Sonettstruktur von der deutschen Lyrik der Jahrhundertwende bis in die Gegenwart, Frankfurt/Bern/New York 1988, S. 85-92.

Schütze, Tim. Interpretation des Gedichts “Auf der Terrasse des Café Josty” von Paul Boldt (1912). Grin, 2015. [Facharbeit, 12 Seiten, Note 1,0]

Soergel, Albert u. Curt Hohoff.  „Paul Boldt”. in:  Dichter und Dichtung der Zeit. Vom Naturalismus bis zur Gegenwart.  2 Bände. Band 2. Düsseldorf 1963. S. 196-198.

Wolfenstein, Alfred [Rez.].  „Lyrischer Landschafter [Paul Boldt: Junge Pferde! Junge Pferde! (Leipzig 1914)]”.  Die Neue Rundschau, 26 (1915), 1439.


Werkverbindungen / künstlerische Auseinandersetzungen mit Paul Boldt

Ernst, Ingrid.  „Catins de la Friedrichstrasse” [Übersetzung eines Gedichts von Paul Boldt].  in: Berlin. Anthologie littéraire.  Paris, 1993.

Kühn, Annette.  [Fotografien für]:  Boldt, Paul.  Der Wind schweigt weit.  Ausgewählte Gedichte.  2. Auflage 2008.

Lidolt, Marion.  Wildwuchsgesang. Expressionistische Gedichte von Paul Boldt mit Radierungen von Marion Lidolt.  14 Doppelblatt. ca. 1990  (Quelle GDV-Online-Katalog).

Pendzich, Marc.  IN DER WELT – Musik über Gedichte von Paul Boldt für eine Singstimme und Kammerorchester.  Partitur/CD, 2000.  siehe: https://pendzich.com

Taguchi, Y. „Auf der Terrasse des Cafe Josty“ und  „Herbstgefuehl“ [in japanischer Übersetzung]. In: Kuniyo Takayasu (Hg.): Doitsu  Hyogenshugi 1 [Deutscher Expressionismus (1)], Tokyo 1971 (Verlag Kawadeshobo-Shinsha), S.176.

Webster, Daniel J.  Keeping Order on My Shelf. [Eigene Gedichte und Übersetzungen von Gedichten von Paul Boldt].  iUniverse, 2005, ISBN: 0-595-33915-8.

Biography (english)

Paul Boldt (1885-1921) is one of the unjustly neglected figures in the history of German literature. Like the Russian poet Dmitry Kedrin, whose work is also translated in Keeping Order on My Shelf by Daniel J. Webster, he published just one book of poetry in his lifetime. And, as is the case with Kedrin, the scant attention paid to his writing has occurred almost solely after his death.

Boldt was born in the town of Christfelde an der Weichsel in the countryside of West Prussia, an area which is now a part of Poland. After finishing his secondary education, he studied philology at universities in Munich, Marburg and Berlin without taking a degree. Once in Berlin, he started associating with the writers and artists who frequented the city’s many cafés and began writing poetry himself.

In 1912, he published his first poems in Die Aktion, a magazine most often associated with the Expressionist movement, whose better-known names among German-language poets include Gottfried Benn, Georg Heym, Georg Trakl, and Franz Werfel, the latter now remembered more as a novelist. The Expressionists, under the influence of the later works of the Swedish playwright August Strindberg, sought to portray the inner landscape of the emotions, rather than objective reality. Today, German Expressionism is probably most famous internationally through the medium of film, especially The Cabinet of Dr. Caligari.

The carnal attractions of the German capital, specifically its many prostitutes, soon became an obsession with Boldt. And they proved to be both his prime literary inspiration and the greatest enemy of his development as an artist, as he spent an unhealthy amount of time frequenting the city’s brothels. Therefore, particularly given his Expressionist leanings, many of his poems which on the face of it seem to be descriptive of nature can be interpreted as manifestations of his sexual preoccupations.

Boldt came out with the only book he published in his lifetime, Junge Pferde! Junge Pferde! (Young Horses! Young Horses!) in the year 1914. Its title-poem, “Young Horses,” is one of the very few works by Boldt that might still be found in anthologies of German poetry. This poem can be read as a rather beautiful nature lyric. He did, after all, spend his semester breaks in the West Prussian countryside where his parents lived, and would have had ample opportunity to observe the phenomena described in that poem. On the other hand, it is also easy to see these beautiful, wild creatures as metaphors for the objects of his desire. Similarly, “Nights Over Finland” could be interpreted as describing either the forbidding landscape of that Nordic nation, the often bleak cityscape of Berlin, or the poet’s own inner world. Of the three poems translated in Keeping Order, only “Spring” is blatantly sexual.

Paul Boldt was drafted into the German Army at the beginning of World War I, but was discharged in 1916 on the grounds that he was psychologically unfit to serve. He had stopped writing poetry, and died from an embolism that was a complication of surgery for a hernia.

Despite his obscurity, Boldt has had a number of champions in the last few decades. In 1979, under the editorship of Wolfgang Minaty, his complete works were finally published under the title Junge Pferde! Junge Pferde!. This was the same title used by Boldt himself for his one published collection, which contained only about half of the poems that were to be eventually printed in literary magazines of the day. And finally in 2008, Martin Ebbertz republished Boldt’s original book, marking an upswing in this poet’s standing as an original and inventive writer.

© 2008 Daniel J. Webster
Text mit freundlicher Genehmigung von Daniel J. Webster.

Source:

Daniel J. Webster: “Keeping Order on My Shelf”
Publisher:  iUniverse, Inc.
ISBN: 0-595-33915-8
Publishing Date: 2005